Großseelheim

Jahrhundertealter Torbogen kommt zurück

Er dürfte mindestens 300 Jahre alt sein, der historische Torbogen der Großseelheimer Friedhofsmauer. Lange war er verschollen und wurde schließlich bei einer Mauersanierung wiederentdeckt.

Es geht tatsächlich „märchenhaft“ weiter, die Geschichte rund um den verschollenen und dann nach Jahrhunderten wiederentdeckten Torbogen. Er befand sich einst am Haupteingang zu Friedhof und Großseelheimer Kirche, so viel ist sicher. Warum er dereinst, also vor Jahrhunderten, mal abgenommen wurde, weiß keiner. Der aus fünf großen bearbeiteten Blöcken bestehende Bogen war verschollen.

Bis er im vergangenen Spätherbst durch Zufall wieder ans Licht kam, als eine Fachfirma die Sanierung der Friedhofsmauer fortsetzte. Die Mitarbeiter erkannten, dass sie besondere Steine vor sich hatten und sicherten sie. Seitdem liegen sie eingangs auf dem Rasen.

Der Ortsbeirat wie auch die Kirchengemeinde reagierten. Für alle Beteiligten war klar, dass der historische Torbogen wieder dorthin soll, wo er mal war. Die Stadt Kirchhain holte in Absprache mit dem Landesamt für Denkmalpflege Angebote von entsprechend qualifizierten Steinmetzen ein. Am Ende stand die Summe von 11.000 Euro für den Wiederaufbau des Bogens.

Und es ist vollbracht, wie Ortsvorsteher Helmut Hofmann, Pfarrerin Evelyn Koch und Kirchhains Bürgermeister Olaf Hausmann gemeinsam mit Hermann Holz am Ort des Geschehens verkündeten. Hermann Holz hat eine ganz besondere Beziehung zu dem Torbogen, er hatte es über Jahre hinweg immer wieder angeregt, am Haupteingang einen neuen Bogen zu schlagen. Ausgerechnet an seinem 80. Geburtstag bekam er die Nachricht, dass die verschollenen Steine wieder aufgetaucht sind. „Das war das schönste Geschenk“, sagt er nach wie vor. Er kann es kaum abwarten, bis der Bogen wieder an seinem Platz ist.

25 Spender machen den Wiederaufbau möglich

Insgesamt 25 Spender von Kreditinstituten über Unternehmen bis hin zu vielen Großseelheimer Privatleuten gaben Geld. Auch die Stadt wird sich finanziell beteiligen. Sie ist die Eigentümerin der Friedhofsmauer, ihr Haushalt wird durch die Aktion nun entlastet, worüber sich Bürgermeister Hausmann natürlich freut. „Jede dieser Spenden ist wertvoll“, unterstreicht er.

Ortsvorsteher Hofmann berichtet ebenso wie Pfarrerin Koch über die große Resonanz, die es auf das Projekt hin in der Großseelheimer Bevölkerung gegeben hat. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir das so schnell schaffen können“, freut sich Hofmann. Pfarrerin Koch geht noch einmal auf frühere Diskussionen über den Bau eines gänzlich neuen Torbogens ein. Seinerzeit sei dies ein Extra gewesen, das sich die Gemeinde einfach nicht habe leisten können. „Jetzt ist es kein Extra mehr, sondern wird Wirklichkeit“, sagt Evelyn Koch. Sie sei sehr froh darüber, dass die Steine vor Jahrhunderten nicht „einfach zerkloppt worden sind“.

Am Schluss gibt es ein Fest

Hermann Holz hatte in früheren Jahren schon einmal ein Torbogen-Modell gestaltet und selbst Angebote eingeholt, was ein neuer Bogen kosten könnte. Schon damals sei ein Betrag von mindestens 11 000 Euro einschließlich Material herausgekommen. Er hat schon eine weitere Idee. „Und als Nächstes gestalten wir ein passendes Tor“, sagt er.

Bis es so weit sein wird, dass der Torbogen wieder an seinem Platz ist, dauert es aber wohl noch etwas. Zwar ist das Marburger Spezialunternehmen mittlerweile beauftragt. „Doch es gibt noch keine Termine, aktuell ist das Planen von Bauarbeiten nicht so einfach“, sagt Bürgermeister Hausmann.

Und die Beteiligten sind sich einig, dass der Torbogen angesichts des Interesses im Dorf eingeweiht werden soll. Dann wird es ein Torbogenfest geben.

Wie alt der Torbogen ist, lässt sich übrigens nach wie vor nicht sagen. Auf einem Stein ist die Jahreszahl 1699 erhalten. So alt ist er wohl mindestens.

Quelle: Oberhessische Presse, Michael Rinde, mit freundlicher Genehmigung

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